GEMEINSCHAFT
Platzwart Pepe
Ein liebenswertes Wasserschwein
Sonntag, 09. August 2026
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die so bunt, berührend und eigenwillig sind wie ein lauer Sommerabend am Wasser. Wenn am Ufer des Altrheins das sanfte, metallische Klirren von Boulekugeln durch die Abendluft schallt, steht er mittendrin: José Ramón-Cesares, von allen im Verein liebevoll nur Pepe genannt. Ein plüschiges Wasserschwein mit großem Herzen, dem geschulten Blick für die perfekte Flugbahn und einer Lebensreise, die von Südamerika über das Mittelmeer bis auf unseren Bouleplatz führt.
Aus den Tropen an die Plaça Gaudí
Geboren wurde Pepe 1962 im warmen, grünen Herzen Kolumbiens. Schon aus seiner Jugend brachte er einen treuen, wenn auch hartnäckigen Begleiter mit nach Europa: einen chronischen Schnupfen, der seiner feinen Capybara-Nase leider bis heute erhalten geblieben ist.
Im Jahr 1981 brach der junge Pepe auf und wanderte nach Barcelona aus – eine Stadt voller Leben, Kultur und familiärer Schatten. Denn dort war 1955 sein Onkel Fernando mütterlicherseits tragisch ums Leben gekommen, als dieser von der Polizei erschossen wurde (YouTube). Doch Pepe blickte mutig nach vorn. Er schrieb sich an der ehrwürdigen Universitat de Barcelona für Pharmazie ein.
Das Schicksal des Onkels
Zwischen Vorlesungen und Reagenzgläsern entdeckte er im Schatten der weltberühmten Kirche seine wahre Leidenschaft. Auf der Plaça Gaudí warf er seine allerersten Boulekugeln im staubigen Rund. Seine Mitspieler erkannten sofort das erstaunliche Ballgefühl des Wasserschweins und tauften ihn schwungvoll „Pétanque Pepe“.
Pepes erste Petanque Spiele
Saitenspiel, Caipirinhas und die große Liebe
Ein Pharmaziestudium will finanziert sein. Pepe griff nebenbai beherzt zur Gitarre. Unter dem klangvollen Künstlernamen „Manolo“ verzauberte er Geburtstagsgesellschaften und spielte sich mit seinen Rhythmen bis auf die Sonneninsel Mallorca.
Pepe als "Manolo" auf Mallorca
Dort passierte es! In einer bevölkerten Caipi-Bar begegnete sich das bildschöne Capybara Paar. Er blickte in die blauen Augen von Clara von Schwarzbach – und es war um ihn geschehen.
Als die Wirtschaftskrise Spanien beutelte, beschlossen die beiden, gemeinsam neue Wege zu gehen. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums folgte Pepe 1986 seiner großen Liebe nach Deutschland.
Vom Apotheker zum Unruhestand
In der neuen Heimat fasste das Paar schnell Fuß. Pepe arbeitete zunächst als angestellter Apotheker, ehe er 1996 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und seine eigene Apotheke eröffnete.
Pepe in seiner eigenen Apotheke
Auch das Familienleben blühte auf: Gemeinsam mit Clara zog er 16 Kinder groß – 7 Töchter und 9 Söhne (YouTube). Trotz des Trubels im Hause Râmon blieb Pepe stets ein herzensguter, aufopferungsvoller Familienvater, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen konnte.
Irgendwann war es Zeit für den Generationenwechsel: Pepe übergab die Apotheke in die kompetenten Hände seiner Tochter Adolorin. Auch sein langjähriges Flamenco-Hobby musste er schweren Herzens aufgeben – die Hüfte wollte nicht mehr so wie in jungen Jahren.
Platzwart und Seele der Altrheinbouler
Doch wer Pepe kennt, weiß, dass er kein Mann für den Schaukelstuhl ist. Im Mai 2026 trat der geschäftige Unruheständler den Altrheinboulern bei. Seine Liebe zum Pétanque und zum Element Wasser erwachte augenblicklich neu. Hilfsbereit und gesellig wie er ist, zögerte er nicht lange und übernahm sofort die herausfordernde Aufgabe des Platzwarts.
Wer Pepe auf der Anlage trifft, erlebt einen gemütlichen, liebenswerten Kerl. Doch Vorsicht ist geboten: Wenn Müll oder gar Hundekot sein heiliges Boule-Areal verunreinigen, versteht der sonst so sanftmütige Südamerikaner keinen Spaß! Ebenso reagiert er allergisch darauf, wenn man ihn fälschlicherweise als „Schweinchen“ bezeichnet – schließlich ist er ein stolzes Wasserschwein und legt Wert auf den feinen Unterschied zur Zielkugel (Cochonnet).
Auch kulinarisch hat Pepe seine ganz eigenen Prinzipien: Er bezeichnet sich stolz als strengen Vegetarier, kann aber beim Vereinsgrillen auf wundersame Weise einer knackigen Bratwurst nicht wiederstehen. Dazu genießt er liebend gern ein gutes Glas Vino Tinto.
Pepe ist immer für ein "Vino tinto" zu haben
Wenn die Kugeln eingepackt und die Plätze geharkt sind, zieht es ihn unaufhaltsam in den Altrhein. Dort schwimmt er nach feierabendlicher Platzwartarbeit vergnügt mit den heimischen Nutria Damen um die Wette – sehr zum Leidwesen seiner Frau Clara, die das nasse Plüschfell zu Hause mit sanftem Augenrollen begrüßt.
Wir sind stolz, mit Pepe nicht nur einen exzellenten Platzwart, sondern das herzlichste Maskottchen weit und breit in unseren Reihen zu haben.
¡Bienvenido, Platzwart Pepe!